Feuerwehrtempo im Ratssaal
Die Freiwillige Feuerwehr Herzogenaurach traf sich im Rathaus zur Jahreshauptversammlung. Eigentlich dachten die Wehrler bereits in ihren neuen Räumen tagen zu können – doch da müssen sie sich noch gedulden
vom 30. Januar 2012 von RICHARD SÄNGER
Herzogenaurach - Der Herzogenauracher Bürgermeister German Hacker (SPD) schaute etwas ungläubig, als Franz Hagen, Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr, erklärte: „Die Bratwürste, die jetzt eigentlich serviert werden sollen, stecken im Beutelsdorfer Kreisel noch im Stau.“ Die Bratwürste für die Mitglieder kamen aber nicht verspätet, die Jahresversammlung der Herzogenauracher Feuerwehr war vor dem geplanten Essen schon wieder zu Ende.Geradezu im „Feuerwehrtempo“ wickelte Hagen die Versammlung im Ratssaal im Herzogenauracher Rathaus ab. Er verkniff es sich bei der Begrüßung der Ehrengäste nicht, den Bürgermeister an die letztjährige Hauptversammlung zu erinnern. „Das ist das letzte Mal, dass in diesem Raum eine Jahreshauptversammlung stattfindet hat Hacker vor einem Jahr erklärt. Eigentlich sollten die Fahrzeughalle und damit auch der Schulungsraum schon der Vergangenheit angehören und neu errichtet sein.“
Hacker erklärte, dass der Umbau der Feuerwache keinesfalls aufgegeben, sondern nur aufgeschoben ist. Nicht nur die mangelnde Finanzierung sei der einzige Grund, sondern die Entscheidung sei aus einer nüchternen und vorausschauenden Erwägung heraus getroffen worden. Umbau und Finanzierung seien ja bereits im Stadtrat beschlossen. Durch das Konjunkturpaket der Bundesregierung seien die Preise im letzten Jahr derart angestiegen, dass Hacker und die Verwaltung erst mal auf Abwarten setzte. „In der Ersparnis wäre auch eine neue Drehleiter drin“, erklärte Hacker – eine solche steht nämlich auch noch auf dem Wunschzettel der Feuerwehr.
Vorsitzender Hagen hatte nämlich zuvor auf ein Jubiläum hingewiesen: „Wir können heuer 50 Jahre Drehleiter feiern und ein Austausch und Modernisierung ist wünschenswert.“ Zwar ist die im Einsatz befindliche Drehleiter keine 50 Jahr alt – es ist erst die dritte in der Geschichte der Herzogenauracher Feuerwehr – aber es sei an der Zeit, etwas Neues anzuschaffen. Hacker verwies in diesem Zusammenhang auf das Budget und bat darum , dass sich die Wehren untereinander einigen sollen, was in den kommenden Jahren angeschafft wird.
Eindrucksvolle Zahlen
Dass bei der Feuerwehr kein Geld für „Spielzeug“ ausgegeben wird, verdeutlichte der Bericht des Kommandanten, Matthias Rocca. Es gab es im vergangenen Jahr 34 Rettungseinsätze, davon sechs mit Einsatz der Drehleiter. Eine Person wurde nur noch tot geborgen. Insgesamt wurden 213 Einsätze abgewickelt, davon 143 Hilfeleistungen, 56 Brandeinsätze und 14 Sicherheitswachen. In der Summe waren das 22 Einsätze mehr, als im Jahr davor. Unter schwerem Atemschutz wurden 36 Einsätze mit mehr als 36 Stunden notwendig. Um für den Ernstfall gewappnet zu sein absolvierten die 113 aktiven Feuerwehrangehörigen 187 Gruppenübungen, 22 Zugübungen, 17 sonstige Übungen, eine Zweitagesübung und eine Übung mit der Polizeihubschrauberstaffel.Rocca ist deshalb froh, dass in diesen Tagen mit dem Tanklöschfahrzeug (TLF 4000) ein neuer Wagen abgeholt wird und für die Einsätze zur Verfügung steht. „Die Einsätze, auch bedingt durch die Alarmierung über die integrierte Leitstelle, werden zunehmen“, ist die Meinung des Kommandanten.
Kein Versprechen an die Truppe
Wie bei so vielen anderen Feuerwehren auch, mangelt es an Nachwuchs. Es wird versucht bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an der Feuerwehr zu wecken. So freuen sich die Verantwortlichen über die „Bambinis“, die zwar noch keinen aktiven Dienst leisten dürfen, aber mit Feuereifer bei der Feuerwehr sind.Für Nachwuchs im Feuerlöschwesen, sorge aber auch der Spielmannszug. „Viele der jungen Leute kommen über den Spielmannszug zur Feuerwehr“, erklärte Anke Bündgens in ihrem Bericht. So sorgen die Spielleute nicht nur für Nachwuchs bei der aktiven Mannschaft, sondern tragen den Namen der Stadt über Landkreis- und Landesgrenzen hinaus. Vor den Ehrungen erklärte Bürgermeister Hacker noch schmunzelnd: „Ich werde heute nicht versprechen, ob wir uns im nächsten Jahr in diesem Saal wiedersehen.“ Und genau zu diesem Zeitpunkt waren dann auch die Bratwürste da – perfekter ging es kaum.
Anmerkung: Die Jahreshauptversammlung fand selbstverständlich im Feuerwehrgerätehaus statt.


